STELLUNGSNAHME
MAIL VOM 14.3.2026
Hallo Herr Meinel!
Danke für ihre ausführliche Darlegung. Ich werde es sorgfälltig durchsehen und gegebenenfalls Berichtigungen vornehmen oder Zusätze anbringen.
Gottes Segen
Erwin
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1. Gleichsetzung von Evolution und Glaubenslehre
Auf Ihrer Website wird Evolution wiederholt als eine Art „Glaubenssystem“ dargestellt, das der Schöpfungslehre gegenübersteht.
Diese Darstellung ist wissenschaftlich nicht korrekt.
Die Evolutionstheorie ist eine naturwissenschaftliche Theorie im gleichen Sinne wie die Gravitationstheorie oder die Keimtheorie von Krankheiten. Sie basiert auf empirischen Daten aus verschiedenen unabhängigen Forschungsfeldern:
- Fossilienforschung (Paläontologie)
- Molekulargenetik
- Vergleichende Anatomie
- Biogeographie
- Beobachtbare natürliche Selektion
- Populationsgenetik
Dass mehrere voneinander unabhängige Disziplinen zum selben Bild der gemeinsamen Abstammung gelangen, ist einer der stärksten Belege für die Evolutionstheorie.
Eine religiöse Schöpfungslehre basiert dagegen auf Offenbarung und Glauben und arbeitet nicht mit testbaren Hypothesen.
Diese beiden Erkenntnissysteme sind deshalb methodisch nicht vergleichbar.
Ich gebe ihnen hier natürlich Recht. Beide Weltbilder sind nicht mit den selben Methoden testbar. Es gibt keine "Methode" Gott zu beweisen. Alleine durch erfüllte, biblische Prophetien und den persönlichen Erfahrungen, ebenfalls auf Grund biblischer Ankündigungen, kann man Gott indirekt "beweisen", da viele der biblischen Geschehnisse damals, sowie in unserer Zeit, nicht aus menschlichem Wirken entstanden sein kann. Es ist also Glaube + eigene Erfahrung/Erkenntnis die einem eben an Gott glauben läßt. Und damit natürlich auch an "seinen" Bericht der Erschaffung der Welt.
Das Selbe gilt auch für die Evolutionstheorie. Auch hier spielt Glaube eine Rolle.
Fossilien bestehen vornähmlich aus Stein bzw. verhärteten "Ablagerungen", die den eigentlichen Knochen ersetzt haben. Dazu kommen mögliche Abdrücke im Gestein der verhärtet ist und die Umrisse des fossilierten Geschöpfes hinterlassen hat. So ist normalerweise keine DNA Probe oder dergleichen möglich, somit auch keine beweisbare Ahnenreihe erstellbar.
Dies gilt auch für Anatomie. Gleiche Gliedmaßen oder Organe beweisen noch keine Abstammung und evolution über millionen von Jahre. Hier ist "Glaube" an die Sache notwendig, dass es sich so zugetragen hat wie man es sich vorstellt, es gibt hier keine Beweise, nur Theorien.
Anders bei der natürlichen Selektion die wir heute beobachten können. Tiere und auch der Mensch haben die Fähigkeit, sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Natürlich gibt es auch hier Grenzen. Aus dieser Anpassung, oder eben nicht Anpassung, können Tierarten aussterben, während andere weiterleben. Diese Selektion oder Anpassung an neue Gegebenheiten bringen deshalb aber keineu neue Tierart hervor, es bleibt immer die gleiche Art, nur an die neuen Gegebenheiten angepasst. Wie sie weiter untern das Beispiel mit den Darwin Finken vorbringen. Ja, es gibt Anpassungen und Veränderungen im Verhalten dieser Vögel. Das selbe Prinzip kann auch auf andere Tiere angewandt werden. Diese Veränderungen erschaffen jedoch keine neue Art, ein neues Tier, es bleibt alles in seiner Art (Fink, Hund, Katze, Fisch) Die Bezeichnung Mikroevolution wird hier oft verwendet, eine Veränderung innerhalb einer abgesteckten Tierart.
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2. Verwechslung von Evolution mit der Entstehung des ersten Lebens
In mehreren Ihrer Texte wird argumentiert, dass Evolution nicht erklären könne, wie das erste Leben entstanden ist.
Das ist zwar teilweise richtig, aber kein Gegenargument gegen Evolution.
Die Evolutionsbiologie beschäftigt sich primär mit der Veränderung von Populationen nach dem Ursprung des Lebens – also mit Artbildung, Anpassung und gemeinsamer Abstammung.
Die Frage nach der Entstehung des ersten Lebens (Abiogenese) ist ein eigenes Forschungsfeld.
Selbst wenn die Abiogenese vollständig ungeklärt wäre, würde das keinerlei Einfluss auf die umfangreichen Belege für Evolution haben.
Es handelt sich um zwei unterschiedliche wissenschaftliche Fragestellungen.
Nun, dass es kein Gegenargument gegen Evolution wäre kann ich so nicht bejahen. Sollte die Naturwissenschaft beweisen, dass aus toter Materie kein Leben entstehen kann, dann gibt es keine Evolution, denn dann kommt nur Gott als Urheber in Frage; und Gott schuf auf der Stelle, keine Entwicklung über Jahrmillionen wären dann notwendig.
Und wie wir wissen, gibt es keinerlei Anhaltspunkt die einen naturwissenschaftlichen Beweis für die Entstehung von Leben aus toter Materie liefern könnte. Im Gegenteil, Naturwissenschaft verneint ein solches Zenario. Hier spielt eben wieder Glaube und Phantasie eine entscheidende Rolle, aber keine Beweise, um dem Evolutionskonstrukt eine Basis zu geben auf das es aufbauen kann ...
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3. Darstellung der Darwinfinken
Auf Ihrer Seite wird argumentiert, dass Darwins Finken lediglich kleine Veränderungen innerhalb eines „Typs“ zeigen würden und keine echte Evolution darstellen.
Diese Darstellung unterschlägt wichtige wissenschaftliche Ergebnisse.
Die Langzeitstudien von Peter und Rosemary Grant auf den Galápagosinseln dokumentierten über Jahrzehnte hinweg:
- messbare natürliche Selektion
- genetische Veränderungen in Populationen
- ökologische Spezialisierung
- Veränderungen im Gesang und Paarungsverhalten
Besonders bemerkenswert ist die dokumentierte Entstehung einer neuen reproduktiv isolierten Linie, die als „Big Bird lineage“ bezeichnet wird.
Hier konnte eine neue Artbildung über mehrere Generationen hinweg genetisch nachvollzogen werden.
Darwins Finken sind deshalb eines der besten Beispiele dafür, wie Evolution in freier Wildbahn tatsächlich funktioniert.
Wie schon weiter oben erwähnt, Veränderungen innerhalb einer Art, wobei die Art grundlegend die Selbe bleibt, also Mikroevolution, kann man oft feststellen. Daraus konnte jedoch noch nie die Entstehung einer völlig neuen Art abgeleitet oder beobachtet werden, Das Argument wäre hier, es dauert zu lange um es beobachtern zu können, also millionen von Jahre. Das Glaubensargument eben.
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4. Fehlinterpretation der Kambrium-Explosion
In Ihren Artikeln wird die sogenannte Kambrium-Explosion als Argument gegen Evolution verwendet.
Dabei wird suggeriert, komplexe Tiergruppen seien plötzlich „aus dem Nichts“ erschienen.
Diese Darstellung entspricht nicht dem Stand der Forschung.
Die kambrische Radiation fand über mehrere Millionen Jahre statt und stellt eine Phase relativ schneller evolutionärer Diversifikation dar.
Zudem existieren Fossilien vielzelliger Organismen aus dem Präkambrium (z. B. die Ediacara-Fauna), die zeigen, dass komplexes Leben bereits vorher existierte.
Die Kambrium-Explosion ist daher kein Gegenargument gegen Evolution, sondern ein Forschungsgebiet innerhalb der Evolutionsbiologie, das sich mit den Ursachen dieser Diversifikationsphase beschäftigt.
Hier gibt es ein kleines Missverständniss. Natürlich gibt es komplexes Leben in der Kambrium Schicht bzw. Präkambrium. Aber das ist ja das Argument. Es gibt keine evolutionären Vorfahren dieser komplexen Lebensformen. Sie erscheinen einfach im Kambrium ohne "Ahnen" die es unterhalb in den Schichten ja geben müsste. Meiner Meinung nach ein eindeutiger Beweis, dass hier keine evolutionären Kräfte am Werk waren, sondern ein Schöpfungsakt. All die unzähligen Arten von Trilobiten (um ein Beispiel heraus zu nehmen) in dieser Schicht haben keine Vorfahren aus denen sie sich entwickelt haben, sie sind einfach da. Laut Evolution müsste es unzählige Zwischenstufen von "Nichttrilobiten" zu diesen Trilobiten im Kambrium geben ... diese fehlen jedoch. Und sollte das Argument eine "relativ schnelle evolutionäre Diversifikation" sein (welche Geschwindigkeit auch immer darunter verstanden wird), dann könnte es auch ein Schöpfungsakt sein.
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5. Molekulare Phylogenie und Verwandtschaftsbeziehungen
Sie führen auf Ihrer Website Beispiele an, bei denen genetische Stammbäume überraschende Verwandtschaften zeigen (z. B. zwischen Walen und Flusspferden) und stellen dies als Problem für die Evolution dar.
In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall.
Molekulare Phylogenie ermöglicht es, Verwandtschaftsbeziehungen anhand genetischer Daten zu rekonstruieren.
Diese Daten zeigen konsistent, dass Wale innerhalb der Paarhufer entstanden sind und ihre nächsten lebenden Verwandten Flusspferde sind.
Dieses Ergebnis wird nicht nur durch DNA-Analysen, sondern auch durch Fossilienfunde früher Walverwandter bestätigt.
Dass genetische Daten frühere Klassifikationen korrigieren können, ist ein Zeichen wissenschaftlichen Fortschritts, nicht eines Scheiterns der Evolutionstheorie.
Wie in meinem Artikel über Phylogenie zu entnehmen ist, sind gleiche Gene oder Chromosomenanzahl keine Beweise einer gemeinsamen Abstammung oder einer Verwandtschaft über die Grenze einer Art hinaus. Schon gar nicht Fossilien, da diese nur äusserlich bewertet werden können, da Stein keine zu untersuchenden Komponenten mehr besitzt die herangezogen werden könnten (soweit mir bekannt ist). Bei solchen "Ahnenreichen" von Fossilien gibt es in den Diagrammen immer Funde von Tieren die eine Abstammungslinie beweisen soll. Oftmals kann das offensichtlich nicht direkt gewesen sein. Wenn man sich z.B.die "Ahnenreihe" des T-Rex zum Huhn zu Gemüte führt, bedarf es schon sehr viel Phantasie.
T-Rex: bis 13m lang, bis zu 10 Tonnen schwer und bis zu 6m hoch. Soll vor 66 Millionen Jahren ausgestorben sein. 2003 fand man einen T-Rex Knochen der nach Millionen von Jahren noch Proteinen und Bindegewebe enthielt.
| Teams, an denen auch Forscher der aktuellen Studie beteiligt waren, berichteten vor einem Jahr, dass in dem Saurierknochen Proteine aus Bindegewebe nachgewiesen werden konnten. Die Kollagene seien jenen von heutigen Hühnern sehr ähnlich, berichteten sie. Auch gelang es mit Hilfe der Massenspektrometrie den Protein-Aufbau des T. Rex zu analysieren: Er stimmte in seinen Aminosäure-Bestandteilen zu 58 Prozent mit dem Kollagen von Hühnern, zu 51 Prozent mit jenem von Fröschen und zu 51 Prozent mit jenem von heutigen Wassermolchen überein. |
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6. Historische Darstellung Darwins
In mehreren Ihrer Texte wird der Eindruck vermittelt, Darwin habe seine eigene Theorie später praktisch aufgegeben.
Diese Darstellung ist historisch nicht haltbar.
Darwin entwickelte seine Theorie der natürlichen Selektion weiter und veröffentlichte weitere Werke wie „The Descent of Man“, in denen er seine Ideen ausbaute.
Natürlich verfügte Darwin noch nicht über Kenntnisse der modernen Genetik.
Die heutige Evolutionstheorie basiert daher nicht ausschließlich auf Darwin, sondern auf einer Synthese aus:
- Darwins natürlicher Selektion
- Mendels Genetik
- moderner Populationsgenetik
- Molekularbiologie
- Entwicklungsbiologie
Diese sogenannte „Moderne Synthese“ stellt die Grundlage der heutigen Evolutionsbiologie dar.
Wie wie alle bestätigen können ist Darwin schon länger tot als das irgendjemand von heute lebenden Menschen ihn gekannt hätte. Jegliche Information die wie von seinem Wesen, seiner Denkweise und seinen Ansichten haben, kommen von schriftlichen Quellen, entweder aus seinen Büchern oder von schriftlichen Quellen seiner Zeitgenossen. Wie er deshalb tatsächlich im Laufe seines Lebens über seine Theorie gedacht und was er überhaupt darüber gedacht hat, bleibt uns verborgen. Wir haben nur kurze Einblicke durch Schriften die zu diesem Zeitpunkt seine Meinung kundtun.
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7. Argumente aus persönlichem Unverständnis
Mehrere Argumente auf Ihrer Website folgen dem Muster:
„Ich kann mir nicht vorstellen, wie dieses Merkmal Schritt für Schritt entstanden sein soll, daher muss es geschaffen worden sein.“
In der Wissenschaft gilt ein solches Argument jedoch nicht als Beweis.
Komplexe Strukturen entstehen in der Evolution häufig durch:
- schrittweise funktionelle Veränderungen
- Funktionswechsel vorhandener Strukturen
- genetische Duplikationen
- Kooption bestehender Gene für neue Aufgaben
Viele ehemals als „unmöglich“ betrachtete Übergänge konnten inzwischen durch Fossilien, Genetik und Entwicklungsbiologie rekonstruiert werden.
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Fazit
Aus wissenschaftlicher Sicht entsteht beim Lesen Ihrer Artikel der Eindruck, dass nicht ergebnisoffen nach der plausibelsten Erklärung gesucht wird, sondern dass ein bereits feststehendes Weltbild verteidigt werden soll.
Dabei werden häufig:
- veraltete Argumente
- selektive Zitate
- Missverständnisse der Evolutionstheorie
- falsche Gegenüberstellungen
verwendet.
Kritik an wissenschaftlichen Theorien ist selbstverständlich legitim und sogar notwendig.
Damit sie konstruktiv ist, muss sie jedoch auf dem aktuellen Stand der Forschung beruhen.
Ich würde Sie daher bitten, Ihre Artikel zur Evolutionstheorie anhand moderner biologischer Fachliteratur zu überprüfen und gegebenenfalls zu überarbeiten.
Bei Quellen Nachweisen können sie sich gerne bei mir melden.
Mit freundlichen Grüßen
Franz Meinel
