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PSALM 8

Es gibt oft Diskussionen darüber, ob im Psalm 8 Vers 6 das Wort "Gott" oder "Engel" verwendet werden soll. Je nach Verwendung ergibt sich ein völlig anderes Bild von Jesus bzw. dem Menschen. Worum geht es:

 

"Was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, und der Sohn des Menschen, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als die Engel/Gott; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher über die Werke deiner Hände gemacht; alles hast du unter seine Füße gelegt:"

 

Psalm 8: 5-7

 

Speziell wollen wir uns eben Vers 6 ansehen.

 

"Du hast ihn ein wenig niedriger gemacht als die Engel/Gott (Elohim); mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt.

 

In den Übersetzungen des AT in Griechisch (Septuaginta) sowie in Latein (Vulgata) finden wir die Übersetzung "Engel". Erst seit dem massoretischen Texten (Hebräisch mit Punktierung für die Selbstlaute) um 600 n.Chr. kommt es zur Verwendung "Gott".

 

  

Auf dem ersten Blick scheint Gott das richtige Wort, gibt sich Gott doch selbst Elohim als Bezeichnung ehe er sich mit seinem Namen YHWH zu erkennen gab.

 

Im Hebräerbrief 2:6-9 wird genau dieser Teil von Psalm 8, angelehnt an die griechische Übersetzung, die Septuaginta, zitiert und auf Jesus Christus ausgelegt; und auch hier wird das Wort Engel verwendet.

 

"Was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, oder der Sohn des Menschen, dass du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig niedriger sein lassen als die Engel; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände; alles hast du seinen Füßen unterworfen". Indem er ihm aber alles unterworfen hat, hat er nichts übriggelassen, das ihm nicht unterworfen wäre. Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm alles unterworfen ist; wir sehen aber Jesus, der ein wenig niedriger gewesen ist als die Engel wegen des Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; er sollte ja durch Gottes Gnade für alle den Tod schmecken."

 

Der Brief an die Hebräer wird auf das Jahr 60-70 n.Chr. datiert. Offensichtlich kannte der Autor die Psalme und er wusste, dass an der Stelle von Psalm 8, Vers 6 das Wort Elohim als Engel benutzt wird. Andernfalls hätte der Schreiber bereits damals die heutige, üblichere Benennung "Gott" verwendet; er schrieb aber "αγγελους", Bote/Engel.

 

Ein weiterer Hinweis auf Jesus in Psalm 8 steht im 1.Korinther 15:27,28:

 

"Denn ~alles hat er seinen Füßen unterworfen~. Wenn es aber heißt, dass ihm alles unterworfen ist, so ist offenbar, dass derjenige ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn ihm aber alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allen sei."

 

 

 

Ein Aspekt der hier nicht außer Acht gelassen werden sollte ist, dass in der jüdischen Denkweise über Prophetien über den Messias im Alten Testament der Psalm 8 sich nicht auf den kommenden Messias bezieht. Im Lukasevangelium lesen wir deshalb eine interessante Passage über die Begegnung von Jesus mit den sogenannten Emausjüngern die mit den Aposteln eng verbunden waren:

 

"Und er (Jesus) sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen, wie ist doch euer Herz träge zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus (Messias) dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht."

 

Lukas 24: 25-27 

 

 

Die Jünger bekommen also aus erster Hand eine Erklärung der Prophetien des Alten Testaments über den Messias. Mit dieser Information gehen sie zu den anderen Aposteln und Jüngern um diese weiter zu geben:

 

"Und sie standen auf in derselben Stunde und kehrten nach Jerusalem zurück und fanden die Elf und ihre Gefährten versammelt, die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und er ist dem Simon erschienen! Und sie selbst (die Emausjünger) erzählten, was auf dem Weg geschehen war, und wie er von ihnen am Brotbrechen erkannt worden war."

 

Mit der Erwähnung von Psalm 8 im Brief an die Hebräer im Bezug auf den Messias wird die jüdische Denkweise über Prophetien über den Messias als unvollständig erklärt. Leider wird diese unvollständige Ansicht oft als maßgeblich angesehen, sodass selbst Bibelschulen oder Bibelgelehrte die Tatsache die im Hebräerbrief erklärt ist als falsch abtun.

 

 

 

Für alle die sich für die "technischen Daten" interessieren:

 

"Elohim" ist im hebräischen eine grammatikalische Unmöglichkeit, wiederspricht es doch herkömmlichen Regeln. Die Endung "im" zeigt an, dass es sich um plural, also um ein Mehrzahlwort handelt. In einem solchen Fall bedarf es einem maskulinen Mehrzahlverb das ihm zugeordnet ist.

Dies ist aber nicht so. Immer wenn es um den Gott der Israeliten geht ist Elohim mit einem singular, also Einzahlverb verbunden.

Elohim wird in der Bibel nicht nur als Bezeichnung für den Gott Israels verwendet, sondern dies beinhaltet auch fremde Götter oder Götzen, oder auch für Mose der für das Volk Israel wie "Elohim" sein soll.

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